Zum Tod von Alexander Kluge.
Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge starb mit 94 Jahren Anfang 2026, kurz nach dem Tod von Jürgen Habermas, seinem langjährigen Freund. Norbert Ernst Herrmann, der Autor dieser Website war während seines Studiums in Heidelberg und später in einigen Filmen von Kluge - das war damals ein Muss nicht nur unter politisch Linken seiner Generation - und nahm auch am Erziehungswissenschaftlichen Institut an einem Seminar teil, das der Heidelberger Schriftsteller Michael Buselmeier über das Buch "Öffentlichkeit und Erfahrung" hielt. Das Buch verfasste Alexander Kluge mit Oskar Negt und erzielte damals hohe Auflagen.
Arno Widmann schrieb in der Frankfurter Rundschau vom 27. März 2026 einen Nachruf auf Kluge und meinte im Zusammenhang mit dem genannten Buch: "Dass Öffentlichkeit hergestellt werden konnte und nicht nur einmal hergestellt worden war, das war die große Erfahrung jener Jahre." In der Tat: Öffentlichkeit herzustellen, das war Ende der 60/70iger Jahre des letzten Jahrhunderts sozusagen ein illusionärer Vorgriff auf das Internet und die damit verbundenen Versprechen auf Publizität.
Norbert Ernst Herrmann war damals in einer linken Gruppe politische aktiv, die zusammen mit anderen politischen Gruppen Bestandteil der Linken Liste war, die bei Studentenparlamentswahlen (damals lag das gendern noch in weiter Ferne) in den AStA gewählt wurde, und die in etwa - nach Einschätzung von Norbert Ernst Herrmann heute - den Endpunkt der 68iger Studentenbewegung der 70/80iger Jahre in Heidelberg und der dortigen Universität darstellte.
Vor dieser Zeit war er im Rahmen dieser Gruppe bei Studentenparlamentswahlen u.a. propagandistisch unterwegs - das legte auch sein Erststudium in den Fächern Kunst und Design in Mannheim nahe -, so entstanden einige Arbeiten , die im Zusammenhang der "Herstellung von Öffentlichkeit" im Sinne von Alexander Kluge, historisch interessant sind. Diese Arbeiten sind auf einer Internetseite abgelegt, die Norbert Ernst Herrmann schon vor langer Zeit unter www.herrmannkunst.de gestaltet hatte - möglich, dass diese Adresse bald nicht mehr überall mit allen Programmen und Geräten abrufbar ist. Der Zahn der Zeit mag daran auch geknappert haben. Jedenfalls gestaltete Herrmann Ende der 90iger Jahre die Homepage, als er noch nicht wusste, dass das Netz primär textbasiert funktioniert. So sind die Texte im Tif-Format als Bild dargestellt und konnten nie von Suchmaschinen erkannt werden. Da war also nichts mit "Öffentlichkeit".
Im Folgenden werden hier die Gedanken und Gestaltungen von Norbert Ernst Herrmann dargestellt, wie sie von ihm um die Jahrhundertwende ins Netz gestellt wurden. Sie geben einen Rückblick zu politische Einschätzungen, aber auch damalige Empfindungen und einstigen Hoffnungen des Künstlers zu erkennen. Ganz im Sinne von Alexander Kluge und Oskar Negt - Letzterer ist leider auch schon verstorben - und ihrem Buch "Öffentlichkeit und Erfahrung" von 1972 zeugen sie vom Zeitgeist der damaligen gesellschaftlichen und politischen Situation, wie sie Herrmann wahrgenommen und reflektiert hat. Wer will, kann darin auch einen kleinen, biografischen Abschnitt des Künstlers Norbert Ernst Herrmann sehen, denn der Text ist in erster Person verfasst.
Auf der erste Seite von "Mein rotes Jahrzehnt..." (der Titel bezieht sich auf das Buch des Historikers Gerd Köhnen "Das rote Jahrzehnt" sind zwei Fotos von Norbert Ernst Herrmann als 15jähriger, sowie als etwa 20 jähriger jungen Mann. Das letzte Foto zierte bis weit in die 90iger Jahre den PKW-Führerschein des Künstlers, auch als die langen Haare schon längst moderateren Frisuren gewichen sind. 1989 - kurz vor dem Mauerfall in Berlin befand sich der Künstler zufällig in der DDR und wurde von einem Verkehrspolizisten kontrolliert. Der Polizist studierte den in der BRD als "Grauen Lappen" benannten Fahrausweis und fragte: "Gilt der Führerschein bei ihnen mit diesem Foto?" Herrmann nickte. Darauf sagte der Polizist lachend: "Nun, dann soll es mir auch recht sein" und winkte das Auto weiter.
Das Plakat entwarf Norbert Ernst Herrmann für den AStA; es wurde oft für die Ankündigung von Veranstaltungen verwendet. Im Weiteren sind die Abbildungen alles Gestaltungen des Künstlers und werden extra nur kommentiert, wenn u.a. Unklarheiten im urheberrechtlichen Sinne vermieden, der damalige Kontext erklärt, oder die Verbindung zur heutigen Zeit, hergestellt werden soll.
Das Plakat wurde von Norbert Ernst Herrmann entworfen und im Siebdruck eigenhändig in kleiner Auflage für den AStA gedruckt. Es handelte sich um die Entlassung einer linken Sozialarbeiterin, die wie viele Hunderttausende in der damaligen Zeit in allen Sektoren der westdeutschen Gesellschaft vom Berufsverbot durch den Verfassungsschutz betroffen waren. Dass der sogenannte "Verfassungsschutz" eine solche Entlassung als Geheimdienst nicht selbst veranlasste, versteht sich von selbst. Das machte die Behörde, die jeweilige vorgesetzte öffentliche Institution oder auch private Firma. Dem Künstler war eine Medizinerin bekannt, die damals an einem Krankenhaus keine Festanstellung bekam, obwohl sie hochqualifiziert war und Stellen offen waren. Nach einer Beschwerde nahm ihr Professor sie beiseite und sagte: "Ich kann nicht anders, sie haben irgendwann mal eine Petition gegen die Zwangsernährung von politischen Gefangenen die im Hungerstreik waren, unterschrieben." Das wars!
Wie man heute weiß - stand April 2026 - greift der derzeitige Kulturminister Weimer einige Buchhandlungen der Republik unter Berufung auf angebliche Erkenntnisse des "Verfassungsschutzes" ohne Begründung an. Das löste allgemeine Empörung und die Solidarisierung von vielen Buchhandlungen und auch den Protest des Vorsitzenden des Zentralverbands des Buchhandels aus. Mal sehen, was Gerichte dazu sagen...
Diese Illustration veröffentlichte Norbert Ernst Herrmann 1973 in einem Szeneblatt, sie symbolisiert gewiss die Hoffnungen der damaligen Linken. Was sich im Osten Europas "Sozialismus" nannte und mit dem der Künstler nie etwas am Hut hatte, landete dagegen im "Mülleimer der Geschichte", wie wir wissen. Heute versucht ein gewisser Putin durch den für beide Seiten verlustreiche Angriffskrieg auf die Ukraine, die ehemalige geografische und politische Dominanz Russlands unter der weltweit siegreichen Ägide des Kapitalismus wieder herzustellen, und rüstet gegen den angeblich "dekadenten" Westen ideologisch und militärisch auf. Auch in der EU, nicht zuletzt in Deutschland, wird aufgerüstet.
Diese Einladung zur "Ausstellung" war zeitweise, bis zur Renovierung in der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg auf den Toiletten der Männer zu besichtigen. Nicht Wenige nahmen die Einladung an. Das war vor über einem halben Jahrhundert der Fall und wurde von Norbert Ernst Herrmann und einer damaligen Genossin, die er allerdings aus den Augen verlor, verfasst. Die Fotos stammen von Gerhard Kehry, der auch die Idee zu diesem Flugplatt hatte.
Heute im Jahr 2026 fanden zu Anfang des Jahres die ersten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz statt, mit deutlichen Zuwächsen für die in großen Teilen faschistischen Alternative für Deutschland (AFD). Im Herbst steht diese Partei bei zwei Landtagswahlen im Osten Deutschlands sehr wahrscheinlich vor dem Sieg.
"Es kommt der Tag", wurde auf der Toilette auf der juristischen Fakultät damals auf den Clos von juristisch studierten Männern - womöglich auch Professoren? - oder sich im Jurastudium befindlichen, "heimlichen" Nazis erhofft. Ist etwa ein "Adolf 2", wie auf der Wand gewünscht, in Sicht? Einige Anwärter gibt es in der AFD. Ganz und gar keine schauerlichen Gestalten. Sogar in der Parteispitze eine intellektuell versierte lesbische Frau kommt in Betracht. Wer hätte das gedacht? Fest steht: Die ideologische Saat des Hasses auf alles angeblich Fremde ist offensichtlich nach über 50 Jahren heute enorm breitenwirksam im biedermännischen, nationalistischen Kleid aufgegangen, und schickt sich an demokratische Wahlen zu gewinnen.
Das Bundesverfassungsgericht erklärte bei dem letzten Verfahren gegen die faschistische NPD, dass sie aufgrund ihrer völkischen Politik zwar verfassungswidrig sei, denn das Grundgesetz verbiete die Ausgrenzung von Teilen der in Deutschland lebenden Bevölkerung, doch wollte das Gericht die Partei nicht verbieten, weil sie bei Wahlen irrelevant sei. Das sei also nicht so schlimm, kann man schlussfolgern. Das war möglicherweise ein auch juristisch kategorialer Fehler.
Denn die Alternative für Deutschland (AFD) ist politisch nicht weniger "völkisch" orientiert als die NPD und proklamiert offen die "Re-Migration". Bedroht somit über ein Viertel der deutschen Gesellschaft, die familiär eine ausländische, oft auch außereuropäische, migrantische Vergangenheit aus aller Welt hat. Entsprechend grassiert in Deutschland - nicht nur dort - seit langen Jahren der Rassismus, dem schon viele Menschen in der Vergangenheit im Alltag zum Opfer fielen. Auch ein bekannter CDU - Politiker.
Falls gar ein faschistischer AFD-Ministerpräsident in einem Bundesland im Osten Deutschlands 2026 die Regierungsgeschäfte übernehmen sollte, kommen auf Deutschland und die EU - zusätzlich zu den heutigen Turbulenzen und Kriegen in der Welt - schwere Zeiten zu. Womöglich nicht sofort. Auch um die dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts kam der Faschismus in Deutschland zunächst auf leisen Sohlen daher.